Was ist Hochsensitiv?

Der Begriff „Highly Sensitive Person“* wurde 1996 erstmals von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron geprägt. Sie hatte das Phänomen im Rahmen ihrer Arbeit Jahre zuvor entdeckt und begann das Thema in ihrem beruflichen Umfeld zu erforschen.

Demzufolge sind Hochsensitive Menschen (HSM) offener für die Reizaufnahme und verarbeiten Informationen intensiver. In einem Meeting, im Unterricht oder auf einer Party nimmt eine hochsensitive Person durchaus das Doppelte dessen wahr, was andere Menschen im gleichen Zeitraum wahrnehmen. Sie ist so in der Lage Feinheiten zu entdecken, die anderen entgehen und hat ein intuitives Gespür für Atmosphäre und Stimmungen. 

Doch Informationen aufnehmen ist anstrengend. Dies bedeutet für hochsensitive Menschen, dass sie von den vielen Eindrücken schneller erschöpft oder gar überfordert sind. Vielleicht reagieren sie sogar im wahrsten Sinne des Wortes „ge-reizt“. Es kann dann ein starkes Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe entstehen, um die Eindrücke zu verarbeiten und sich zu regenerieren.

Das stösst in unserer aussenorientierten, stets kontaktbereiten Welt nicht immer auf Verständnis. Deshalb ist es hilfreich für hochsensitive Menschen, ihre besonderen Fähigkeiten zu kennen, um sie bestmöglich zu nutzen. In dem Wissen um diese wahrscheinlich vererbte besondere Begabung lässt sich mit den dazu gehörenden besonderen Bedürfnissen und Anforderungen besser umgehen. Mehr noch: Denjenigen, die mit ihrer hochsensitiven Fähigkeiten umzugehen wissen, steht eine grosse Vielfalt an erfüllenden Möglichkeiten offen - und eine ausserordentliche Intensität beim Empfinden dieser 'Glücksmomente'. (Auch hier geben die Erkenntnisse und Methoden aus der Positiven Psychologie hilfreiche Impulse für vielversprechende Wege.)

Vielleicht haben Sie den Eindruck ebenfalls zu diesen Menschen mit einer hohen Wahrnehmungsfähigkeit zu gehören? Gerne suche ich mit Ihnen gemeinsam nach Wegen, wie Sie achtsam Ihren Bedürfnissen Rechnung tragen und wie Sie Ihre Stärken nutzen können, um Ihr Wohlbefinden noch zu erhöhen.

Zum Weiterlesen:

Um eine erste Idee zu erhalten, ob jemand hochsensitiv ist, hat Elaine Aron 23 Fragen entwickelt. Der komplette Fragebogen ist unter anderem in dem Buch „Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal“ von Birgit Trappmann-Korr, VAK Verlags GmbH, 2010 zu finden (oder in dem Buch „Sind Sie hochsensibel?“ von Elaine N. Aron, mvg Verlag, 1996). Aus urheberrechtlichen Gründen können die Fragen hier nicht abgebildet werden.

*Zum Begriff „Hochsensitiv“:
Im Deutschen wurde der Begriff auch mit „hochsensibel“ übersetzt, was eher dem Umstand Rechnung trägt, dass jemand „empfindlich“ ist. Die Sensitivität auf die sich Elaine Aron bezieht, basiert jedoch auf dem Englischen „sensitive“. Dies umfasst wesentlich vielfältigere Bedeutungen wie einfühlsam, feinfühlig, empfindsam, lichtempfindlich. Es steht somit die Sensitivität für sensorische Verarbeitungsprozesse im Vordergrund oder auch die „Reizoffenheit“, nicht das „Empfindlich-Sein“.

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